Die Rente ist jetzt entschlü§§elt

 

Grafik: klartextfinanzen

Grafik: Klartextfnanzen

 

 

Über 100 Jahre nach Einführung der Gesetzlichen Rente ist ihre Formel entschlüsselt. Mit einer Kurzformel auf dem Bierdeckel kann jetzt jeder Mensch seine Rente kurz und bündig berechnen. Und weiß, warum er vorsorgen muss.

Es dauert 10 Sekunden.

 

Eigentlich liegen die Renten-Fakten längst auf dem Tisch des Bürgers. Seit 2002 als Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Aber weder Bürger und – vermutlich die Mehrzahl – der Finanzberater verstehen die staatliche Renteninfo. Natürlich gibt es echte Experten, die die Rente erklären können. Aber bevor diese Fachleute mit ihrer Rentenerklärung durch sind, ist der Verbraucher meist schon längst fertig.

Grafik: klartextfinanzen - Auzug Renteninformation

Grafik: Auszug Renteninformation (Deutsche Rentenversicherung)

Bisher fehlt es an Renten-Wissen, auch bei den „Experten“ – seit 100 Jahren. Stattdessen sprechen viele (nicht alle!) Finanzverkäufer nach einem Blick auf die Renteninformation:

“Herr Kunde, ist doch klar: 2.000 Netto minus 1.000 Rente sind 1.000 Euro Renten-Lücke – Hier ist mein Angebot!”. Schick? SCHOCK !!!

Sodann preist der Verkäufer sein Angebot und betet minutenlang eine fondsgebundene Rentenversicherung mit Core-Satellite-Anlagestrategie und Life-Cycle-Systematik vor. Mit dem direkten Sprung zum Produkt umgehen vor allem Bänker (mit „ä“), die heute schon 20 Prozent aller Lebensversicherungen verkaufen, das verminte Thema „Rente“.

Meine Rente in zehn Sekunden berechnen

Nun wird dem Bürger geholfen. Mit der Kurzformel zur Rente kann er sich in kurzen, verständlichen Schritten der Rente befassen – und verstehen. Der Bürger rechnet selbst. Das ist die wichtigste Botschaft. Wer seine Rente versteht – weil selbst gerechnet – der sorgt auch eher vor. Hoffentlich tut er das.

Damit Menschen ihre Rente selbst rechnen können, wurde die Rentenformel entschlüsselt (für Fachleute ist es unten exakt dokumentiert). Wie das ging, dazu merken wir uns eine einzige runde Zahl: 100. Sonst nichts! Keine Fachbegriffe, kein West/Ost, keine “Rechengrößen”. Nix – nur 100.

100

Jan Schimmer ist 37 Jahre alt. Er verdient im Monat 3.000 Euro brutto. Bis 67 kommt er auf 40 Arbeitsjahre. Zehn Jahre hat Schimmer schon 10 Jahre gearbeitet und hat keinen Schimmer von seiner bisherigen Anwartschaft. Seine Renteninfo … die findet er gerade nicht:

Abbildung 1

A-Rente 3.000 OHNE R-Info

Grafik: klartextfinanzen

Brutto geteilt durch 100 mal Jahre. Fertig. Das war’s! Exakt nach der Rentenformel West beträgt die Rente 1.177 Euro. Das sind 23 Euro oder 2 Prozent Abweichung der Kurzformel zur offiziellen Rentenformel.. 

Im Osten würde Jan Schimmer dem Bierdeckel-Ergebnis von 1.200 Euro noch 10 Prozent zuschlagen: 1.320 Euro. Nach offizieller Rentenformel beträgt die Rente im Abrechnungskreis Ost 1.272 Euro. Das sind 48 Euro oder 4 Prozent Abweichung vom Original :-)

Ungewöhnlich: Abgesehen von den 10 Prozent Zuschlag (Ost) müssen die Rechtskreise West und Ost der Deutschen Rentenversicherung (DRV) bei der Kurzformel nicht beachtet werden! Seit der Deutschen Einheit hat die DRV fast alle Zahlen doppelt geführt (je West/Ost). Bei der Kurzformel entfällt das. 

Im Vergleich zu den minimalen Abweichungen des Bierdeckels sind die Unwägbarkeiten der Zukunft der Arbeit weit größer. Kein Bürger weiß heute, ob ihm zukünftig Arbeitslosigkeit droht oder ob Karrieresprünge Gehaltserhöhungen bringen. Deswegen sollte eine Finanzberatung – dafür werden Renten schließlich gerechnet – alle 12 Monate erneuert und anschließend die private Sparrate nachjustiert werden.

Noch genauer rechnen

Wenn Jan Schimmer seine Renteninfo doch noch findet, dann ist die Kurzformel oft genauer. In der Renteninfo steht bei „bisher erreichte Anwartschaft“ 200 Euro für die vergangenen 10 Jahre. Die 200 Euro schreibt Jan Schimmer oben ins erste Feld des Bierdeckels und rechnet für die Zukunft mit (40 – 10 =) 30 „Rest“-Arbeitsjahren weiter.

Abbildung 2

Grafik: klartextfinanzen

Grafik: klartextfinanzen

 

Diese Berechnung auf dem Bierdeckel übertrifft die Hochrechnung der offiziellen Renteninfo an Präzision: Für die Rente per 67 rechnet die DRV pauschal auf Basis der letzten fünf Jahresgehälter hoch. Wenn in dieser Zeit Arbeitslosigkeit, Teilzeitarbeit oder Beförderungen eingetreten sind, dann bildet die Hochrechnung der Renteninfo zum Alter 67 nicht mehr die tatsächlichen Zahlen ab.

Diese Ungenauigkeit ist bei der Kurzformel eliminiert. Der Bierdeckel verwendet die „bisher erreichten Anwartschaften“ (im Beispiel 200 Euro) und bildet damit die Vergangenheit ab: also das “erste” Renten-Ergebnis aus zehn Jahren Arbeit. Für die Zukunft rechnet Jan Schimmer mit seinem aktuellen Gehalt und den 30 “Rest”-Arbeitsjahren weiter.

Exakter geht es nicht, weil wir die Zukunft nicht kennen. Jan Schimmer auch nicht. Er kann aber mit der Kurzformel vorausberechnen und seine Karriereplanung einschließlich Gehaltserhöhungen simulieren. Das kann die Deutsche Rentenversicherung nicht! Und: Von Finanzberatern – egal ob Versicherung, Bank oder Verbraucherschutz – hat man bisher auch keine Hochrechnungen gesehen, stimmt’s?

Versicherungsverlauf? Selbst gemacht!

Um zu sehen wie Karriere und Gehaltssprünge die Rente erhöhen, muss Jan Schimmer den Bierdeckel „stretchen“ – oder einfach einige Rechenzeilen einfügen. So entsteht vor den Augen unseres Jan Schimmer sein selbst gemachter Versicherungsverlauf (siehe unten Abb. 3).

Der beginnt mit einem Schock. Wenn man mal nur ein Arbeitsjahr betrachtet, dann bringen 12 mal 3.000 Euro Bruttoverdienst nur 30 Euro Rentensteigerung – für ein ganzes Jahr Arbeit! Die meisten Menschen überrascht das. Deswegen ist die Einjahres-Berechnung sehr lehrreich, wenn man dem Rentner der Zukunft einmal den Taschenrechner rüber schiebt und ihn selbst rechnen lässt: Es ist nicht witzig, aber aufschlussreich, wenn der Verbraucher selbst rechnet. Jan Schimmer nimmt nur mal das laufende Jahr. Diese Berechnung ist von hohem pädagogischen Wert:

3000 geteilt durch 100 mal 1 Jahr = 30 Euro Rente. Für ein Jahr Arbeit.

Aber Jan Schimmer plant seine Karriere und rechnet alles durch: Nächstes Jahr wird er Gruppenleiter und bekommt 3.500 Euro brutto. In fünf Jahren wird er Abteilungsleiter mit 4.000 brutto. Und in 15 Jahren bekommt er als Bereichsleiter 5.000 Euro brutto.

Abbildung 3

Grafik: klartextfinanzen

Grafik: klartextfinanzen

Nun hat Jan Schimmer seine Karriere geplant und die Rente hochgerechnet. Obwohl sein Gehalt – so der Plan – schrittweise auf später 5.000 Euro steigen würde, stiege seine Rente gerademal um 170 Euro pro Monat hinzu (vergleiche Abbildungen 2 und 3). Das zeigt: Auch Karriere mit Gehaltssprüngen hilft nicht viel bei der Rente. Deshalb ist private Vorsorge nötig.

Die Kurzformel ist – psychologisch beabsichtigt – das Abbild der Renteninfo und zeigt ebenfalls Bruttorenten an. Natürlich wären Netto-Angaben noch besser, aber Steuern, Krankenkasse und Inflation gehören in die späteren Erklärungen – nicht an den Anfang. Am Anfang geht es um einen Zugang des Menschen zu seinem Thema: der Rente.

Ohne Fachbegriffe beraten – und beraten werden

Das „Fachthema“ Rente braucht jetzt keine Fachbegriffe mehr, weil die Kurzformel sofort Ergebnisse produziert. Mehr ist zu Fachbegriffen nicht zu sagen. Es gibt schlicht und einfach keine. Die Kurzformel erfordert keine Fachliteratur, keine Fachbegriffe, keine IT, kein iPad und keinen Strom. Die Rente wird in einem oder zwei Schritten berechnet – mit Bleistift und Papier – oder schnell im Kopf.

Wer hätte das in seinen kühnsten Träumen gedacht? Dass Normalbürger wie Jan Schimmer selbst hochrechnen oder Varianten probieren. Sozialwissenschaftler sprechen gern von “Teilhabe”. Dabei denken wir normalerweise an Themen wie die Integration Behinderter oder die Ethik angemessener Hartz IV-Sätze. Ich spreche jetzt auch von Teilhabe:

Wer sich erstens selbst, zweitens einfach und drittens schnell mit seiner Rente befasst, weil er es jetzt kann, der glaubt sich selbst und der sorgt auch eher vor! Wenn die Menschen sich wenigstens einmal zehn Minuten mit dem Zustandekommen ihrer Rente befassten, wäre viel gewonnen: Verständnis. Und wenn die künftigen Rentner selbst rechnen können, erhielte die Rente Selbstverständnis.

@rieksmeier on TwitterBildschirmfoto 2014-12-08 um 13.58.29

 

 

 

 

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Dokumentation (hier)

4 comments on “Die Rente ist jetzt entschlü§§elt

  1. […] Hilft das? Nein. Aber es schafft Klarheit. […]

  2. […] dem #klartextfinanzen-Bierdeckel zur entschlü§§elten Rente lässt sich auch der Verlust von Rente […]

  3. […] (zum Blog-Beitrag “Rente entschlü§§elt”) […]

  4. […] das? Nein. Aber es schafft Klarheit <= […]