Ich lass‘ mich scheiden. Und die Rente?

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Bild: Wikipedia Commons

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Die Mehr-Rente wird halbiert

Bei einer Scheidung werden beim Versorgungsausgleich die während der Ehezeit gestiegenen Rentensteigerungen der Eheleute

1. verglichen
2. durch zwei geteilt und
3. auf den Ehepartner mit der geringen Rente verteilt.

Fertig. Das Rechenbeispiel finden Sie unten in der Grafik (im oberen Bereich).

Ich bin bereits geschieden

Wie ist das mit Mütterrente und den Ex-Männern? Für demnächst rentenzahlende Frauen (weil in der Ehezeit Mehrverdienerinnen) gilt das Folgende auch:

Zurzeit kursieren wichtig erscheinende Pressemitteilungen zu Männern und Mütterrente. Demnach „könne“ oder „könnte“ die Mütterrente auch geschiedenen Ehepartnern zugute kommen. Festlegen mag man sich meist nicht. Man(n) weiß ja nie …

Dabei ist es ganz einfach. Der Versorgungsausgleich wird durch die Mütterrente, also einem seit diesem Jahr neuen Rentenzuschlag für Mütter, die VOR 1992 Kinder geboren haben, SPÄTER GEÄNDERT. Pro Kind steigt durch die Mütterrente die Gesetzliche Rente im Westen um 28,14 Euro pro Monat; im Osten um 26,39 Euro. Jeweils pro Kind. (Werte für 2014)

Und weil der Versorgungsausgleich immer die Hälfte der Mehr-Rente des Besserverdieners (meistens der Mann) ausgleicht, wirkt sich die Rentensteigerung durch Mütterrente für beide gleich aus. Die hinzukommende Mütterrente wird durch zwei geteilt – das ist der Effekt (zumindest, wenn nur eine Scheidung vorliegt, sonst sind zwei Versorgungsausgleiche zu betrachten. Das tun wir hier nicht).

Hier ein Berechnungsbeispiel(*):
Im oberen Teil finden Sie den normalen Versorgungsausgleich nach der Scheidung.
Im unteren Teil finden Sie die Anpassung wegen Mütterrente.

Grafik: klartextfinanzen

Grafik: klartextfinanzen

Der Text im Bierdeckel stimmt! Die Mütterrente wird geteilt(*)

Weil der Rentenunterschied Mann/Frau durch zwei geteilt wird, wird der neue Rentenunterschied wegen Mütterrenten-Plus ebenfalls durch zwei geteilt. Fertig. Im Beispiel bekommt eine Frau (West) für drei Kinder (3 x 28,24 Euro) 84,42 Euro zusätzlich Mütterrente. Davon erhalten Mann und Frau je die Hälfte. Rechnen Sie die obige Tabelle selbst durch.

Egal, welcher Ehepartner wie viel Rentenanwartschaft hat: Die hinzu kommende Mütterrente wird im Effekt durch zwei geteilt. Das stimmt sogar, wenn Sie die Rentenanwartschaften oben in der Tabelle beliebig(!) verändern. Merke: Mütterrente durch zwei.

(Meistens) Ex-Männer können sich also auf (hier: 3 Kinder, West) auf 41, 21 Euro mehr Rente freuen. Frauen auch. Umgekehrt ist es in diesem Falle nicht umgekehrt, sondern genau so.

Zur Mütterrente eine allgemeine Information: Diese wird von der Deutschen Rentenversicherung etwa ab Sommer automatisch und rückwirkend zum 1. Juli 2014 nachgezahlt. Ein spezieller Antrag ist nicht nötig.

Zur nachträglichen Korrektur eines Versorgungsausgleichs wegen Mütterrente: Dieser ist erst sechs Monate vor Rentenbeginn möglich.

Tipp: Männer, die von der Mütterrente der Exfrau anteilig profitieren, sollten sich einen Termin setzen. Sechs Monate, besser neun Monate vor Rentenbeginn der JÜNGEREN Person.

Pro-Tipp: Da Geschiedene nicht genau wissen können, wann der Ex-Partner die Rente beantragt (vielleicht schon mit 63?), heute schon Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung aufnehmen.

Hinweis:
Alle diese Hinweise gelten umgekehrt auch für Ehefrauen, die wegen Mehrverdienstes in der Ehezeit Rentenansprüche an den Ex-Gatten abtreten mussten! Oder: In selteneren Fällen sind die Kindererziehungszeiten (Auslöser für die Mütterrente) den Männern zugeschrieben worden. Zum Beispiel, wenn die Ehefrau selbständig, nicht rentenversichert und der Mann angestellt war. Insofern bleiben diese Hinweise vollkommen geschlechtsneutral; lediglich haben sie den wahrscheinlicheren Beispielfall behandelt.

*Sonderfälle ausgenommen, OHNE Gewähr!

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